Samstag, 15. April 2017

elf Wochen eines Trauerjahres


Obwohl ich mich über 20 Jahre mit dem Bereich "H*ospiz" und Trauer, Sterben und Tod beschäftige und meine eigenen Verluste erlebt habe, blieben Dinge unverstanden. Mir war bis zur "Trauerfeier" meiner Mutter vor 10 Wochen nicht klar, warum es nun ein Trauerjahr gibt. Als wenn sich Trauer und Verlust in Zeiten festschreiben liesen. Der Pastor hat während der Trauerfeier erzählt, dass wir hinter-beliebenden Menschen nun einmal in unserer Trauer durch ein ganzes Jahr hindurch gehen. Das erste Ostern ohne Meta. Es werden ein Jahr lang die sieben Geburtstage oder die Feiertage oder andere Familien-Aktivitäten folgen, wo sie fehlen wird. 


Nach außen hin und in den wenigen Kontakten mit Menschen muss es so wirken, als würde mein Leben "normal" weitergehen. Tut es nicht. Vielleicht ist das so, weil ich kein "normales" Leben habe. Eine Familie, Arbeit, Verpflichtungen, Haus, Garten und Hobbys. Die meiste Zeit bin ich mit mir allein. Mit meinen Gedanken und Gefühlen, die ich ständig in der Balance halten muss und will. 


Durch verschiedene Geschehnisse, die im ... hm... Fahrwasser nach dem Tod meiner Mutter an die Oberfläche gekommen sind (und weiterhin treiben weitere neue "Dinge" auf den Wellenkämen), sind diese letzten drei Monate um ein vielfaches schmerzhafter, traurig und belastender als das Sterben und der Tod von meiner Mutter ohnehin schon wären.

Die Zeit heilt keine Wunden. Sie macht den Verlust, den Schmerz und die Trauer nicht weniger. 


Wohl anders. Mag sein. 


Aber die Zeit, die vergeht, gibt den Raum - innerlich und äußerlich - um die Geschehnisse im Leben eines anderen Menschen oder im eigenen Leben zu erkennen. Ein wenig klüger zu werden. Mit innerer Arbeit und Aufarbeitung kann Mitgefühl, Annahme und Erlösung entstehen.

Es ist eine große Hilfe, dass ich so viele Jahre eben diese innere Arbeit in vielen Lebensbereichen für mich persönlich schon gemacht habe. Das mein Blick auf meine Mutter und ihr Leben heute vor allem von Verständnis, tiefer Zuneigung, Hochachtung und Respekt getragen ist. Die letzten 13 Wochen (zwei Wochen davon in der Intensivstation) sind irgendwie keine vergangene Zeit. Ich habe das Gefühl, dass ich weiter in einer Art "Schock (?) - Starre" festhänge. Im Inneren meiner Selbst. 

Weil ich mich kaum persönlich mit anderen - nicht wertenden und übergriffigen - Menschen über den Verlust meiner Mutter (und über anderes) austauschen kann und ich weiter in meiner größer werdenden Isolation lebe, habe ich gefühlt mit dem "trauern" noch nicht einmal angefangen.


nachträgliche Textkürzung um 23.30 Uhr

Kommentare:

  1. Liebe Oona,

    ein Wort zu all den Dingen, die nicht die Trauer(-arbeit) betreffen: downsizen!
    Das ist neudeutsch und in meiner persönlichen Definition heißt es minimalisieren, Ansprüche (auch und gerade die an sich selbst) runterschrauben, das Wesentliche sehen, an kleinen Fortschritten freuen.
    Konkret - ich verstehe, dass es dich Kraft kostet, auf Menschen zuzugehen, obwohl du glaubst, dass es dir gut tun würde.
    Wenn du versuchst, einmal monatlich diesen Schritt zu gehen, kostet es weniger Kraft als der tägliche Versuch. Logisch, oder? (Die Frequenz ist jetzt willkürlich von mir festgelegt, ist klar!)
    Und doch hast du dich bewegt.
    Wenn du über die Qualität der Beziehungen gehen möchtest, wäre es so, dass z.B. die Begegnungen in der von dir beschriebenen Strick-Runde (oder sonst wo, Fitness-Studio, Yogakurse, Qigong, whatever) nicht sofort der Knaller sind oder es vielleicht auch nicht werden, das gibts natürlich, aber: du hast einen Schritt gemacht.
    Qualitätsfreunde habe ich auch nicht unbegrenzt... wer schon?
    Ich kann aber berichten, dass ich seit Jahren gut mit einer Gruppe Frauen befreundet bin, die sich zufällig über den Weg gelaufen sind - in einem Kurs. Funktioniert also schon hin und wieder.
    Den Gedanken daran, dass du Menschen, die Job, Familie, Hobbies und Freunde haben, auf den Senkel gehst, brauchst du nicht zu haben. In aller Regel können gerade diese Leute sich gut abgrenzen (außer der eigenen Familie gegenüber *schaut grimmig*) und sagen dir schon, wann es zuviel ist.
    Verstehst du so'n bisschen, was ich meine? Sonst frag nochmal nach :)

    Hilflos ansonsten deiner Trauer gegenüber - es tut mir so sehr Leid für dich, aber das kann dir keiner abnehmen. :'(
    Ich bin aber sicher, dass es sich irgendwann einmal runder anfühlen wird.
    GlG,
    Marie

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    1. Moin liebe Marie,

      den Menschen mit Familie, Job etc gehe ich nicht auf den Senkel, weil die mich eh nicht auf den Plan haben.

      Nein. Die Trauer ist schon in Ordnung. Ist ein Teil des Lebens. Mehr das allein sein damit -, dass tut nicht gut.

      Ich danke Dir sehr, dass Du Dir Zeit genommen hast und mir etwas geschrieben. Das ist zu diesen Lebensthemen nicht einfach. Um so mehr freut es mich eine Rückmeldung bekommen zu haben.

      Und ganz sicher wäre es gut, wenn ich es schaffen würde eher lockere, leichte Bekanntschaften zu knüpfen. Das setze ich für "nach Ostern" wieder ganz oben auf den Plan *lächel*. Danke für die Erinnerung!

      Viele liebe Grüße aus dem Stadtviertel umme Ecke
      Oona

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  2. Viele bunte Ostereier mit positiver Energie möge der Osterhase heute bringen.
    Ich messe meine Socken mit einem Sockenmaßband. Da wird die Länge für die jeweilige Größe gleich mit angeben. Sehr hilfreiches Instrument für Sockenvielstrickerinnen.
    Schönen Sonntag, Slo

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    1. Moin Slo,
      Danle für die Rückmeldung. Langsam wird meine "Strick-Materialien-Ansammlung größer". Da lohnt sich fast schon ein kleines Täschchen.
      Liebe Grüße
      Oona

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