Dienstag, 7. Februar 2017

was zu erwarten war

Interessanterweise habe ich am letzten Samstag eine erstaunliche Sicht auf die Dinge gewonnen. Endlich hatte ich telefonisch meine Tante erreicht - die ältere Schwester meiner Mutter -, welche weiter entfernt lebt. Es war ein schweres Gespräch. Jedenfalls in den zwei Telefonaten, welche ich mir meiner Tante führte, konnte ich glasklar erkennen, woher ich meine Fürsorge für andere Menschen und "dem anderen Menschen helfen-Impuls" habe. Wie bei meiner Tante und bei meiner Mutter - auf einmal für mich sehr deutlich sichtbar-  zieht eine mit so einem Verhalten stets den Kürzeren. 
Ich habe beschlossen, dass es an der Zeit ist, endlich dieses "Erbe" aufzugeben.

Was anders ist als bei den vorherigen Verlusten in meinem Leben: Das bin ich ! Dies bemerke ich erstaunt in den letzten drei Wochen. In einer Klarheit...  Vorallem sorge ich für mich so gut ich es gerade kann. Höre auf mein Bauchgefühl, wann immer es mir möglich ist. Ich nehme die Gefühle und die körperlichen Signale / Schmerzen wahr, die auftauchen. Versuche mit Bedacht "Lösungen" zu finden, wenn es meiner Meinung nach nötig ist. 
Handlungsfähig zu bleiben ist wichtig.

Es ist nicht so, dass ich es nicht geahnt bzw. gewusst hätte. Jeder Mensch ist natürlich in seiner Trauer und den Verlustgefühlen allein. Dass ich erneut allein gelassen werde, wenn ein naher Mensch stirbt, dass wusste ich. "Das Verstehen“, dass andere Menschen so sind wie sie sind und im Rahmen ihrer Möglichkeiten handeln, das kann ich stehen lassen neben dem Gefühl der Ent-Täuschung. Ich versuche meine momentan wenige Energie in das Wahr-Nehmen fließen zu lassen. Wahrnehmen von allem, was gerade passiert. 
So gut es mir gelingen mag, versuche ich nicht zu werten oder zu be-urteilen. Nicht mich ( ! ) und nicht andere Menschen. Das ist sehr, sehr schwer. Doch jedes Mal, wenn ich zumindest jede sechste oder zehnte Bewertung/Beurteilung/vorschnelle Meinung innerhalb einer Stunde habe fallen lassen, bin ich schon mehr dort wo ich hin möchte.  

Einerseits bin ich dankbar, dass ich mich nicht mit Menschen in Alltag auseinandersetzen muss und „funktionieren“. Andererseits bin ich 24 Stunden hier zu Hause allein. Mit den vielen Gefühlen. Kein Trost, keine Umarmung. Keine Kommunikation. Wohl auch nicht gut bzw. gesund. Im Moment nicht zu ändern. 

Ich versuche alle meine Gedanken und somit die dann aufkommenden Gefühle nebeneinander stehen zulassen. Der Raum um mich herum und in mir drin ist bis ins Universum groß. Alles darf sein. Alles hat seine Berechtigung.

In meinem Inneren spüre ich starke Veränderungen.

Grundlegend.

Auch dem schaue ich zu. 

Mein Kopfweh löst sich auf, wenn ich geweint habe. Baut sich nach kurzer Zeit wieder auf. 
Zu essen fällt mir schwer. Zumindest versuche ich mehr zu trinken. 

Jeder neue Tag macht den Schmerz größer. Die Brandung heftiger.

Ahoi 

und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel !

1 Kommentar:

  1. @ Clara Pippilotta:
    Danke für Deinen Kommentar unter diesem Post. Ich habe ihn gelesen und wollte ihn über das Smartphone freigeben, doch auf irgendweinem Grund ist der Kommentar dann verschütt gegangen. Sorry.
    Danke für Deine Worte.
    LG
    Oona

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