Freitag, 3. Februar 2017

in der B*randung

In den klaren Momenten / Stunden, wo ich zurückschauen kann in die letzten vier Wochen, kann ich manches klarer erkennen.  
Wir als Familie glauben, dass unsere Mutter nicht mehr wollte. Keine Schmerzen mehr, keine unfähigen Ärzte und kein Krankenhaus mehr. Sie hat sich die letzten Tage vor dem Notfallarzteinsatz sehr gequält. Bis mein Vater sie am frühen Morgen fand und natürlich den Notarzt rief. Zu diesem Zeitpunkt war in allen drei Krankenhäusern der Stadt nicht ein einziges der medizinischen Geräte frei, welches meine Mutter benötigte. So kam sie nach Cuxhaven. In diesem Krankenhaus war sie noch nie…  *lächel*

Obwohl das Krankenhaus 42 Kilometer von Bremerhaven entfernt ist, waren und sind wir erleichtert, dass unsere Mutter dort so gut aufgehoben war. Glücklicherweise kann mein Vater wieder laufen, wenn auch sehr instabil. Sind meine Schwester und ihr Mann selbständig und haben zwei Autos. Ich bin ohne Arbeit und hatte dadurch alle Zeit der Welt.  

Den Chefarzt lernten wir vier Tage vor ihrem Tod kennen. Ein Mann mit großer Kraft und Klarheit. Mit Informationen, die uns tief ins Herz fuhren. Auch wenn wir um deren Inhalt im Grunde schon wussten. Dennoch – so habe ich es empfunden – waren seine Worte auch eine Erleichterung und Beruhigung. Beide Ärzte sagten, dass sie nicht leiden würde. Und dass sie unsere Mutter gehen lassen, wenn sie gehen will. 
Dass diese Einstellungen und die Entscheidungen der Ärzte ein Glück waren … ein anderes Wort will sich gerade nicht finden lassen.. , das weiß ich aus den Jahren, wo ich im Hospiz gearbeitet habe.

Heute ist der erste Tag seit dem 15. Januar, wo ich keinen Zeit-Druck verspüre. Ich muss nichts machen, nichts entscheiden und ich muss nirgendwo hin. 

Die Trauerfeier war gestern. Kurz und stimmig. Der Pastor -  im Alter meiner Mutter - hatte eine verblüffende Ähnlichkeit mit Kapitän Ahab …

Auch diesen Nachmittag haben wir alle gut überstanden.

Und so fällt es mir ein wenig leichter in der Brandung aus den stürmischen Wellen der Trauer, des Schmerzes und den Verlust-Gefühlen stehen zu blieben. Schnell den Boden unter den Füßen wiederzufinden. Ich habe nicht das Gefühl aus der Brandung flüchten zu müssen oder zu wollen. In den kurzen und längeren Wellen-Tälern spüre ich, dass auch dieser Sturm sich eines Tages legen wird. 

Ahoi 

*

1 Kommentar:

  1. Schön von dir zu lesen. Danke auch für's Anteil nehmen lassen an deinen Wellenbergen und -tälern. Weiterhin alles Gute für dich in der Brandung.
    Dieses Foto postete jemand, dem ich auf flickr folge am 29.1., da musste ich an dich denken. https://www.flickr.com/photos/130358694@N06/32217088620/in/dateposted/

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