Mittwoch, 30. November 2016

mir ein Herz gefasst

Vor einer halben Stunde habe ich mir ein Herz gefasst und bin zu den Nachbarn unter mir. Ich klingelte und überreichte der erstaunten Nachbarin mein kleines Geschenk für das Baby. Sie war wirklich erfreut und sagte das auch. Ich sagte, dass ich hoffe, dass es ihr gut gehe und ich fragte vorsichtig, was es geworden ist. Ein Mädchen. Sie schaute ins Kinderzimmer und sagte, dass die Kleine gerade eine neue Windel bekäme. In dem Augenblick kam der stolze Papa mit der lütten Deern auf dem Arm um die Ecke. Auch ihm sprach ich meinen Glückwunsch aus. Sooo klein und süß. Sie heißt J*ette und sie ist noch etwas verknauscht nach den ersten 15 Tagen auf der Welt. Ganz entzückend. Die Nachbarin fragte mich, ob ich die Lütte in der Nacht hören würde. Meine Antwort war, dass sie sich bitte darüber keine Gedanken machen sollen, weil ich ohnehin immer mit Ohropax schlafe wegen des Klopfens in den Heizkörpern. 
Es ist irgendwie entspannend, wenn eine spürt, dass sich die anderen Menschen zumindest Gedanken gemacht haben. 

Meine innere Aufregung wegen "Nachbarn" ist unschön. Gerade war ich auch nicht wirklich bei mir. Gefühlt war ich einerseits freundlich, aber auch total unsicher. 
Fast immer haben die Begegnungen mit den allen Nachbarn eher etwas Unerfreuliches an sich. Scheinbar wirke ich auf mir fremde Menschen doof und alt. Nun ja. Liegt sicherlich an meinen nicht entspannten Empfinden von Nachbarschaft.

Auch hier hat es etwas mit "den eigenen Raum einnehmen" und dem eigenen Selbstverständnis zu tun, dass ich in Ordnung bin, wie ich bin. Meine Haltung ist aus (alten) Erfahrungen und meinem massiven Sicherheitsbedürfnis entstanden. Doch es ist nie zu spät das zu ändern!
Früher bin ich ausgezogen... geflüchtet trifft es wohl eher... wenn mir die Nachbarn unerträglich erschienen. Als hochsensible Frau habe ich in den letzten Jahren sehr dran "gearbeitet", dass ich besser damit klar komme. Vor gar nicht so langer Zeit konnte ich erkennen, dass mich Geräusche, welche ich nicht "kontrollieren" oder "einordnen" kann fast umgehen t*riggern. Daran habe ich mit der T*rauma-Therapeutin gearbeitet. 

In meiner letzten Wohnung / im Wohnhaus hatten wir eine gute und angenehme Hausgemeinschaft. Die Geräusche haben mich auch mackig gemacht. Aber es war anders. Ich wußte, dass Annette jeden Samstag die Butze putzt und dabei laut Musik hört. Weil ich Annette mochte und wir uns gut verstanden, hat mich das Putzen nicht gestört. 
Irgendwann zogen andere Frauen ein in das sechs Parteienhaus. Nicht alles war super, aber wir hatten oft Spaß. Eine grüßte sich zumindest im Haus oder Garten. Schnackte ein paar Worte.

J*ette ist übrigens einer meiner Lieblingsnamen *lach*

Kommentare:

  1. Moin Oona,
    Glückwunsch, Du bist hingegangen! Finde ich richtig gut. Ich fand mich schon als Kind aus diversen Gründen sozial etwas ungeschickt (heute würd mans nerdig nennen, damals wars nicht cool), und wenn man das schon weiß, ist man ja oft noch linkischer...da kann ich Dich gut nachvollziehen. Ich sag mir, da hilft nur Üben, und etwas Nachsicht mit sich selber, keine endlose >was hab ich wieso gesagt< Analyse. Alles ist gut!
    Ich persönlich wohne ja extrem geräuscharm. Das finden manche Übernachtungsgäste auch erst mal beunruhigend und schlafraubend ;-)
    Also alles eine Frage der Perspektive.
    Liebe Grüße, Katja

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    1. Wie schön: extrem geräuscharm.
      Das geht ja meiner Meinung nur im eher ländlichen Bereich. Dazu noch einen Holzofen. :-)
      Ich sah spät einen Doku-Film über einen Mann, der im Februar nach Finnland reiste, um die Polarlichter zu sehen. Er schmiss sich in die freie Natur in den Schnee und schaute in den Himmel. Er sagte zu dem Kameraman/frau sinngemäß: Hörst Du das? Diese Stille?
      Ein Traum! Auf nach FInnland, dachte ich mir. Wenn es da nur nicht so wahnsinnig kalt wäre...
      Liebe Grüße
      Oona

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