Samstag, 15. Oktober 2016

ab*gleiten

Irgendwie habe ich das Gefühl ständig über meine körperlichen Schmerzen zu schreiben. Welche will das auf Dauer lesen... aber es macht mich verzweifelt und müde. Täglich tut etwas weh. Heute Tag vier mit starken Schmerzen.

Sobald ich an meine Eltern denke (ich versuche es zu vermeiden, wo es nur geht, aber sie schleichen sich immer wieder rein in den Kopf), spüre ich den Mühlstein am Hals, der mich in die See von Gefühle zieht.

Ich spüre wie ich ins Dunkelgrau abgleite. Diese Antriebslosigkeit und das Bedürfnis mich ständig in den Schlaf zu flüchten. 

Als ich früh in der Innenstadt war, um erneut nach einer warmen Winterjacke zu suchen, fingen die Unterleibsschmerzen erneut an. Seit ein paar Monaten dauern die Mensis-Schmerzen mind. drei Tage an. Davor einen Tag Migräne. 
Mittlerweile tut es mir an vielen Stellen im Körper weh (was auch an der Bewegungslosigkeit durch die Schmerzen liegt und dem vielen liegen) und mir ist etwas kodderich. Manchmal wirken die Schmerzmittel und öfter passiert nichts. Dann muss ich es eben aushalten.

Ein persönlicher Kontakt zu einer Blog-Leserin aus Hamburg hat sich diesem Frühjahr leider aufgelöst. Sie hatte mir von einem neuen Anti*Depressiva erzählt, welches sie gut vertrug. Leider habe ich mir nicht den Namen davon geben lassen und jetzt bekomme ich auf meine E-Mail keine Antwort mehr. Ich hoffe sehr, dass es ihr einigermaßen gut geht. 

Ich denke, dass ich mein Leben schon schaffe. Doch ich komme nicht vorwärts und erschöpfe mich im "den Kopf über´s Wasser zu halten."

Wenn die Seele wie heute dermaßen heftig dunkel wird, dann frage ich mich in den letzten Wochen schon, ob ich es nicht endlich mit einem Medikament versuchen sollte. 
Aber vielleicht sind es "nur" die Umstände, dass ich so schwarz sehe/fühle. Mag es an den "Tagen" liegen, den vier Tagen Dauerschmerz, dem ständigen allein sein seitdem ich nicht mehr arbeite oder die Schuldgefühle, dass ich meinen Eltern aus dem Weg gehe. 

Natürlich weiß ich, dass es grauenhaft ist so zu leiden und so zu leben wie sie es nun seit einem Jahr tun. Aber Himmel noch eins. 
Soll das jetzt noch zehn Jahre so weiter gehen?
Mich kotzt das alles so an. 
Ja. Nun ist es raus. 
Scheiß drauf! 
Vielleicht sollte ich gnadenlos ehrlich sein und alles so rausgeben, wie ich mich fühle und wie ich es denke. Das wäre mehr als unmenschlich und unsozial. 
Aber
vielleicht hätte ich dann weniger Schmerzen und mehr Energie mein ätzendlangweiliges trost-loses Leben auf Kurs zu bringen. Für die paar Jährchen, die mir noch bleiben. 

Gefühlt ändert sich nichts in meinem Leben.

Ab 1. November ist meine T*herapeutin zurück und ich will zumindest die letzten fünf Stunden - welche seit April auf Halde liegen - nutzen. Therapien aller Arten können unterstützen. Manches verbessern. Vieles zu erkennen und zu wissen, dass hilft nicht unbedingt viel. 
Letztlich muss eine allein den Mors vom Eis kriegen und ...hm... kämpfen... neue Wege gehen... Mut haben... notfalls auch hier und da mal "klar Schiff " machen.   

Ahoi 
und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel !

Meine Freundin C. sagt, dass mein Blog doch sehr kontrolliert geschrieben ist. Natürlich weiß sie, dass ich im Internet aufpassen muss, was ich schreibe. 
Selbst dieser Text ist nicht "einfach so" rausgeschrieben. Ich bin gespannt, wie lange der Text dieses Mal hier stehen bleiben darf.    

Kommentare:

  1. Liebe Oona,

    ich hab mich ja jetzt auch endlich entschieden, doch ein Antidepressivum zu nehmen, hab da lange mit mir gekämpft (vielleicht sogar unnötig lange). Das ständige Grübeln und die Kraftlosigkeit haben mich die letzten Monate doch mehr geschlaucht, als ich dachte. So dass ich mich dann regelrecht auf die erste Einnahme gefreut habe! Die Hoffnung, dass alles wieder etwas leichter wird, stimmt mich zuversichtlich. Heute ist Tag 4 der Einnahme, bislang habe ich keine Nebenwirkungen. Fühle mich schon ein klein wenig besser (was womöglich der Placeboeffekt vom Prinzip Hoffnung ist). Ich hab mir gesagt: Wenn da kein Serotonin ist, muß ich es halt anderswo herbekommen.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich würde mir immer die Option im Hinterstübchen behalten, mich eine Zeitlang medikamentös "stützen" zu lassen, bis ich wieder die Kraft habe, alleine zu gehen.

    Liebste Grüße
    Britta

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    1. Liebe Britta,

      ich danke Dir sehr für Deine offenen Worte. Positive Gedanken und Erfahrungen kann ich gut gebrauchen.
      Heute Morgen habe ich im Bücherregal meine zwei Bücher bzgl. Depressionen rausgesucht und nur oberflächlich bisher geblättert. Das Buch " Mein schwarzer Hund" geht natürlich flink zu lesen und ist doch soooo gut. Und wieder frage ich mich, warum ich das Offentsichtliche nicht wahrhaben will.

      Ich drücke Dir fest die Daumen, dass Dein Leben bald heller und zuversichtlicher wird mit Unterstützung des Mittels. Damit Du selbst mehr das Leben in die eigenen Bahnen lenken kannst!

      Liebe Grüße
      Oona

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  2. Ich kann Dir erzählen, dass mein Grosser wieder leichter lebt, seitdem er ein Mittel nimmt.
    Er hat es lange Zeit ohne probiert, es wurde ihm alles zu viel, zu schwer.
    Ich hab ihm gesagt, dass sich jemand mit Diabetes doch auch helfen lässt, etwas einnimmt. Oder Robert mit Epilepsie. Jeden Tag ein Medikament.
    Wenn die Seele eine Stütze braucht, dann darf sie die bekommen.
    ich finde es gut, dass Du schreibst, selbst wenn der Post dann plötzlich wieder weg ist. Schreiben ist ein Schritt und Schritte vorwärts sind gut.
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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