Montag, 22. August 2016

über´s Meer zu neuen Ufern

Sonntagsgedanken…so im Bett rumdümpelnd am Tage. Mal wieder. Zwischen schlafen und „wach sein“, schaue ich meinen Gedanken zu, welche an dem Bewußtseinsguckloch vorbeiziehen. Solange bis ich nicht mehr liegen kann und aufstehen muss, um dem Schmerz an einer anderen Stelle im Körper … oder in der Seele … einen Platz zu geben. 

Irgendwann hatte ich im Internet doch wieder auf eine Seite geschaut, wo es mich eher schmerzt statt freut. Die junge Frau hat einem Sohn im Sommer das Leben geschenkt. Von außen betrachtet ein helles, glückliches Leben. Ich gehe zurück in mein Bett und möchte weinen. Zum Glück wird mir schnell bewusst, dass das Selbstmitleid ist und das Leid des Vergleichens.

Mindestens die Hälfte meines Lebens ist gelebt. Ich bin in einer anderen Zeit geboren und ich habe die Gene, die ich nun einmal habe. Eben diese Eltern, die manches gut gemacht haben und vieles nicht so gut. Warum auch immer. Mit 47 Jahren und nach zig Jahren Therapien ist das gefühlt abgeharkt. Das, was hätte sein können. 

Meine Lebensvorgaben kann ich nicht ändern. Die Seele, die PTBS, die körperlichen „Schwachstellen“ oder die H*ochsensibilität. Daraus für mich ganz persönlich das Beste zu machen, das ist die Herausforderung …. und letztlich die einzige Möglichkeit. 

Als ich im Bett lag – aus Gründen wie Schmerzen, Erschöpfung, Langeweile und Ideenlosigkeit neben so ein Bisschen Sinnlosigkeitsgefühlen, wurde mir klar, dass diese junge Frau… oder andere Menschen im vollen Leben mit mehr glücklichen als unglücklichen Momenten… sehr wahrscheinlich auch etwas dafür getan hat oder dafür tut, dass so ist, wie sie es braucht und haben will. Das was eben zu gestalten ist. Das eigene Leben, dass eine braucht und sich wünscht, dass fällt eben nicht vom Himmel. Bei diesem Gedanken drehte ich mich vorsichtig im Bett auf die andere Seite und schaute auf die weiße Raufasertapete vor meiner Nase...

….um das eigene Leben zu leben hilft halt nichts anderes als aus dem Quark zu kommen!! 

Soll das nun so weiter gehen? Nach einem Bürojob suchen, der mich immer an meine Grenzen bringt mit der Hochsensibilität? Welche Wohnung in der Stadt würde das sein, was ich suche? Bleibt mein Leben eintönig und langweilig... gleichförmig?

Meine Freundin E., welche mich seit dem 13. Lebensjahr gut kennt, sagt oft zu mir, dass ich eine sehr kreative, warmherzige und inspirierende Frau bin. Doch, sagt sie auch, ist davon nur noch ein Bruchteil zu sehen. 
Darüber dachte ich dümpelnd auf meinem Kahn nach. Mit der Erkenntnis, dass eine mit so einem Leben wie dem meinigen, entweder die Kreativität nutzt, um sich auszudrücken oder aber alle Impulse/Ideen/innere Bilder/Geschichten permanent überschwemmt werden von der beruflichen Arbeit, dem Alltag, jetzt noch mehr den Eltern, den depressiven Verstimmungen und vor allem von dem täglichen körperlichen Schmerz.
Dieser macht mich und mein Leben klein, müde und starr.
Der körperliche Schmerz, welcher sich seit Wochen massiv verschlimmert, ist zum Großteil ein Ausdruck des inneren Schmerzes. Ausdruck eines öfter kaum erträglichen Lebens. Schmerz aus alten Zeiten und aus der aktuellen Situation. Schmerzen, die mir zu groß erscheinen als dass ich mich trauen würde, sie endlich offen und klar zu zeigen und zu sagen. Nirgendwo finden sie zum Beispiel einen Ausdruck und damit vielleicht ein Stückweit auch eine Er-Lösung. 

Seltsamerweise bin ich bisher verblüffend ruhig, dass ich ab November tatsächlich abgenabelt bin. Vom Staat, gefühlt von der Gesellschaft und von wasweißich.

Mit dem Beginn meines Urlaubs werde ich meine beiden Keller leeren. Später renoviere ich die Wohnung. Einen Raum nach dem anderen. Ich schmeiße absolut alles von meinem Kahn, was mich aufhält und mich schwer und unbeweglicher macht. 
Dabei steure ich den Kahn in merkwürdige Gefilde. Vielleicht wartet am Ende dieses bekannten Meeres etwas ganz anderes? Etwas, das meiner tiefen Seele entspricht. 



„Ein Schiff, das im Hafen liegt, ist sicher. 
Aber dafür werden Schiffe nicht gebaut.“ 



Habt einen guten Start in diese Woche. 


Ahoi

liebe Leichtmatrosinnen und Matrosen,  

und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel ! 



*

Kommentare:

  1. Seufz, Oona...

    Ich habe eine warmherzige Verwandte, die Pschologin und Psychotherapeutin ist:
    Zu der würde ich dich am liebsten schicken.
    Aber die ist ja wohl zu weit weg.

    Gibt es niemanden in deiner Nähe...?

    Liebe Grüße!

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    1. Moin Gine,
      ich habe schon so vieles gemacht, ausprobiert und denke, dass es jetzt reicht. Mehr Therapien will ich nicht. Bei meiner Traumatherapeutin hängen noch 5 Stunden auf Halde. Die nehme ich im November, weil sie dann erst wieder in meiner Stadt ist.
      Den Rest des Lebens muss ich zumindest ohne weitere Therapie schaffen, die eine Krankenkasse zahlt. Krankgymnastik wäre allerdings nett *lach*
      Grüße an Dich !!
      Oona

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  2. Liebe Oona,

    diesen Kommentar brauchst Du nicht zu veröffentlichen. Ich möchte Dir ein Buch empfehlen, dass ich sehr hilfreich finde. Ob es für Dich paßt, weiß ich natürlich nicht. Aber es geht in dem Buch darum, zu erlernen trotz widriger Umstände glücklich zu sein. Ich empfand es sehr erleichternd: "Mach's Dir leicht" von Rafael Santandreu. Ach, ich weiß, es ist immer blöd, jemandem etwas zu raten oder zu empfehlen. Wir kennen uns ja nicht, und Dein Blog ist letztlich ja auch nur ein Fragment aus dem großen Ganzen. Aber ich erkenne mich in vielen Dingen wieder. Nur deswegen die Idee, Dir das zu schreiben... Wie auch immer: Ich gratuliere Dir zur Entscheidung, aus dem Job auszusteigen. Ein Akt der Selbstfürsorge. Alles Liebe & Gute für Dich! Britta

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    1. Moin Britta,
      Danke für den Tipp. Ich schaue da mal rein, wenn ich etwas mehr Zeit habe.
      Ich lese ab und an bei Dir und ich finde, dass wir sehr viele Gemeinsamkeiten haben. Das ist oft ganz erstaunlich. So einen Halbstagsjob wie bei Dir fände ich womöglich auch gut für mich. Und irgendwie wird sich einer finden lassen.
      Viele Grüße
      Oona

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  3. liebe bloggerIN Oona :-),
    es gibt so viel zu sagen, raten....ist es denn gewünscht? Wenn ja - dann nicht öffentlich.
    gruß
    tara

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