Dienstag, 22. März 2016

über das Abfallen meiner Jalousie und die sich daraus ergebene Erkenntnis

Welche mir seit Tagen im Kopf umhertigert und mich gerade irgendwie auch einen Hauch was nervt. Das kam so. Mir ist vor ein paar Wochen eine meiner beiden weißen Alu-Jalousien im Wohnzimmer kaputt gegangen. Die zwei Fenster in dem Zimmer gehen bis zum Fußboden, da das eine auch eine Balkontür ist. So sind das keine kleinen und schmalen Sichtschutzteile. Ist klar. Es fehlt mir nun seit Wochen der Sicht- und Lichtschutz.

Mit dem Bus über die Weser und dann in einen passenden Laden. Mich beraten lassen. Wieder Geld ausgeben, wo es im März knapp ist mit der Kohle, die ich mir vorgegeben habe. Ich habe es nicht geschafft eine neue Jalousie zu besorgen.

Letzten Dienstag stehe ich im Schlafzimmer und höre ein Geräusch. Blicke ins Wohnzimmer und die zweite, lange Jalousie hängt quer über dem Fenster. Der Dübel ist aus der Wand gebrochen. Na Bravo!! Ich habe keine Bohrmaschine, keine Kraft und bin nicht schwindelfrei. Bedeutet, dass ich erneut jemanden fragen muss. Aber soll diese Art von Sichtschutz wieder ans Fenster? Oder besser etwas anderes? Das frage ich mich schon länger, weil das Alu die Raufasertapete kaputt macht. Egal, wie sorgsam ich die bewege. Das sieht einfach nicht gut aus.  

Am Freitagnachmittag oder so habe ich den heilen Sichtschutz an die andere Halterung geklickt. Die Jalousie ist zu schmal, aber immer hin fühle ich mich nun etwas unbeobachteter, wenn ich auf meinem Sofa sitze. Sonntag nach dem Spaziergang kam die Sonne raus. Unmöglich so fernzusehen. Also habe ich eine meiner zwei weißen Leinentischdecken meiner Großmutter genommen und sie vor dem Fenster befestigt. Oben und unten schien die Sonne weiter durch. Also, jetzt sieht es bei mir nicht nur aus wie bei Hempels unterm Sofa, sondern auch so ein Büschen wie die Fenster in den Wohnungen in einem Stadtviertel in Bremerhaven, wo eine nachts besser nicht mehr unterwegs ist.

Ein Vorteil hat diese Situation. Ich habe bei Sonne die Fensterscheiben gesehen. Gerade wurden meine Fenster alle fein geputzt. Eine Minute später fing es an zu regnen.

Was hat das mit den wichtigen Fragen / Situationen in meinem Leben zu tun? Es wundert mich, wenn sich das einer nicht sofort von allein erschließt. *schmunzel*

Deutlich wie selten zuvor wird mir meine Unfähigkeit bewusst, dass ich nicht „ankommen“ kann. Das ich mir Räume gestalte, die ein warmes und sicheres Zuhause für mich sind. In das ich investiere. Es mir schön mache.

Innerlich bin ich Zeit meines Lebens auf der Suche. Oder besser geschrieben: ich kann nicht glauben oder darauf vertrauen, dass meine Wohnung bzw. mein Zuhause wirklich Bestand hat. Zu tief liegt die existenzielle Erfahrung als Kleinkind, dass von jetzt auf gleich alles – und wirklich alles!!! – verschwunden ist. Der Vater, die Mutter, die zwei Geschwister, mein Zuhause und der Wohnort. Alles verschwunden. 

Dass ich mir keinen Raum schaffen kann, weiß ich seit vielen Jahren. Es ist auch offensichtlich. Meine Freundinnen sahen /sehen und spüren das, wenn sie meine Wohnungen über die Jahre betrachteten, erlebten. Es gab Zeiten in meinem Leben, da war die Wohnung im Grunde fast leer. Mittlerweile hat sich das zum Glück geändert. Harte Arbeit.

Wie bei den Nomaden baue ich ein „Zelt“ auf. Alles wäre an 1 -2 Tagen in ein paar Kartons und Kisten verpackt. Und so fühlt es sich auch an. Das Einzige, was mir wichtig ist …lebenswichtig… das die Wohnung vor allem sehr ruhig ist. So sicher, wie heutzutage Wohnräume sein können.

Auch wenn ich die verschiedenen Ursachen für dieses Verhalten und diese Unruhe weiß, so schaffe ich es weiterhin nicht anzukommen. Manchmal frage ich mich, ob eine trotz bester Therapie ein frühkindliches Tr*auma je lösen kann.

Was in den letzten Jahren noch schwerer gewesen wäre als die Jahre davor. Seit vier Jahren war es beruflich und später in der Arbeitslosigkeit ein ständiges aushalten, abwarten und reagieren auf das, was als Nächstes aus dem Hut des Lebens gezaubert wurde. Mit den De*pressionen… blablabla…

Was macht es für einen Sinn in die Wohnung zu investieren und daran zu „arbeiten“ anzukommen, wenn eine nicht weiß, ob, wo und wie sie arbeiten wird? Wäre eine andere Wohnung und Umgebung besser? Was wenn ich H4 bin und dann das Amt über meine Wohnungsgröße und den Ort entscheidet? Überhaupt erst einmal eine andere bezahlbare Wohnung finden! Da würde ich dann ganz von vorne anfangen. Schon wieder. Was sollte ich da dann anders machen, was ich nicht auch hier machen kann? Zeitnah.

Die tiefliegende Ursache, warum ich bisher nicht ankommen konnte und mir ein eigenes Zuhause erschaffen, wird sich nicht durch anderen Wohnraum ändern.  

Hier im Haus gab es in den letzten neun Jahren, die ich hier wohne, in verschiedenen Wohnungen einen Mieterwechsel. Die Menschen ziehen ein und renovieren - oft farbig - tagelang. Verlegen Teppiche, kaufen sich neue Küchen und bohren gefühlt die Wände zu Schweizer Käse. Das bleibt mir ein Rätsel. In mir kann ich förmlich ein Unverständnis spüren. Wie kann man das machen? Wie kann man sich so sicher sein, dass dies der richtige Ort ist?  

Wenn ich bei FreundInnen zu Besuch bin, wird mir manches Mal schmerzlich klar, wie wichtig es ist einen Ort in der Welt zu haben, wo eine sich „zu Hause“ und geborgen fühlt. Es warm, wohlig, vertraut und sicher ist.

Und ich scheitere daran neue Jalousien zu kaufen. Weil ich keine Ahnung habe, ob das noch einen Sinn macht. Aber ich brauche einen Sichtschutz und vor allem eine guten Schutz gegen die Sonne, denn der große Balkon liegt nach Süden raus. Es wird sonst im Sommer unter dem Dach sehr heiß. Am nächsten Dienstag fahre ich zu einem Baumarkt, weil ich an dem fast mit dem Auto vorbeifahre. 


Seit Tagen versuche ich eine Antwort zu finden.

ENDLICH ein „JA“ zu dieser Wohnung.

„JA“ zum Bleiben. 


Grundsätzlich ist diese Wohnung nicht besser und nicht schlechter als andere Wohnungen. Sie hat Vorteile und ich kann sie bis Sommer 2017 bezahlen. Auch wenn ich keine Arbeit finde. Außerdem wird sie in einem der teuren Stadtteile meiner Stadt quasi von Monat zu Monat günstiger. Die meisten Menschen finden „meine“ Wohnung hell, groß, gut geschnitten und schön. Gemütlich wohl eher nicht.

Ich suche Er-Lösung aus der Unruhe. 
Ich sehne mich nach Ankommen.
Im Außen, aber vorallem im Inneren. 

 

Kommentare:

  1. Auch eine Zwischenstation ist Lebenszeit. Du lebst jetzt Da und brauchst jetzt eine Jalousie. Lebensqualität kann nicht verschoben werden. ;)

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  2. Ich fühle mit Dir!
    Das Geräusch von abstürzenden Einrichtungsgegenständen...kommt gar nicht gut.
    Sind die Rahmen Deiner Fenster/Balkontür aus Plastik?
    Dann kann Du es auf dem Fensterrahmen/der Tür mit einem dieser Vakuumhaken, die eigentlich fürs Bad sind, versuchen. Quasi wie eine Bistrogardine, nur eben auf ganzer Fläche. Also Haken oben links und rechts sichern, Stange in die Haken legen (schlage leichten, stabilen Bambus vor, Metall geht auch). Vorher den Stoff mittels Tunnelzug auf die Stange ziehen.
    Ja, der Vorhang hängt jetzt direkt am Fenster, also fehlt bei geöffnetem Fenster der Sichtschutz.
    Das alles sollte ohne Nähen zu machen sein, da gibt es jede Menge vorgefertigte Vorhänge zu kaufen.(Großes I oder Versand b prix, da gibt es extra lichtdichte.)
    Viel Glück beim Shoppen, Bauen und Basteln ;-)

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    1. Ich werde über die Fortschritte berichten.
      Schon lange bin ich der Meinung, dass mir Vorhänge fehlen. Manchmal ist meine "wegschmeiß"-Menatlität ärgerlich. Hatte sehr schöne in der alten Wohnung. Irgendwann hatte ich es geschafft. NUn ja.
      Aber vielleicht ist das eine gute Idee. Für die zwei Fenster nehme ich diese Faltjalousien, die eine ins Fenster kleben kann - ohne den Rahmen zu beschädigen - und darüber versuche ich Vorhängestangen anzubringen. Es ist so oder so schwer in diese Wände Löcher zu bohren und wenn ich schon mal einen Mann finde, der das für mich macht...
      Danke für Deine Kommentare!
      Oona

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  3. Oh, und je nachdem, wie fest die Stange in den Haken liegt: die Enden sichern. Stöpsel, Kugel, dekorative Kordel um Stange und Haken etc.
    Sonst gibt es beim nächsten Vorhang-zur-Seite-ziehen wieder dieses Geräusch...

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  4. Beim blaugelben Möbelhaus gibt es gäkleine Klemmvorrichtungen, mit denen jede dort erhältliche Jalousie an Fenster- und Tür-Flügeln befestigt werden kann. Große Auswahl, nicht teuer. Ich bin nämlich auch eine "Nichtbohrerin" und habe mir so den Handwerker erspart.

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    1. Danke für den Tipp.
      Mit dem Auto kann ich auch endlich zu den Schweden und einfach einkaufen. Sonst durfte nur soviel mit, wie ich allein in den Taschen mit Bus und Straßenbahnen tragen kann.
      Liebe Grüße
      Oona

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  5. "Klam*by" ist der Name, kosten einen Fünfer pro Paar. Rollos zum dunkel machen gibt's je nach Maß schon ab zehn Euro.

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