Dienstag, 19. Januar 2016

Palmen-Aufstieg

Was mich auf die Palme bringt, ist die Gedankenlosigkeit von Menschen. Jemand erkrankt und es gibt immer jemanden ... KollegInnen, Freunde, Bekannte, Verwandte, Sportsfreunde, NachbarInnen... der/die ungefragt die eigenen K*rankheitsgeschichten, schlimmen Arzt- und Krankenhauserlebnisse oder andere H*orrorgeschichten von xy dramatisch erzählen. 
"Hallo?? Jemand zu Hause?" 
Wie kann ich einer glücklich Schwangeren von der missglückten Geburt der Schwägerin erzählen? Oder solche schwachsinnigen Sätze wie: 
"Tja... warum hast Du nun einen Ge*hirntumor bekommen?" 
"K*rebs kann auch eine Chance sein." 
Boaah... 
Am Ende wird Dir klar gemacht, dass Du halt nicht hättest rauchen sollen oder welche so fettige Sachen ißt... die muss sich nicht wundern. Ganz kluge Menschen versichern Dir - z.B. wo die geliebte Tante an L*ungenkrebs erkrankt ist - dass es im Grunde bei DEM Kr*rebs hoffnungslos ist. HALLO??
Dann noch der beschwichtigende Nachsatz: 
"Ich meine es ja nur gut." 
*kotz*
Und mit welcher Eindringlichkeit und Hartnäckigkeit die Leute (leider) machtvoll ihren Schiet / ihren Schrecken loswerden wollen. Total unreflektiert. Was sie damit bei manchen Menschen anrichten!  
Ich mache mich unbeliebt, wenn ich das dann anspreche. Erstaunt und verärgert werde ich angeschaut. Natürlich rechtfertigen sich die Leute dann. Lautstark. Seuftz. Mir ist das egal.

Wie wäre es mit Mit-Gefühl? Zuhören. Zuhören ohne zu warten bis der andere Luft holt, um sofort die eigenen dramatische, wichtige, einzigartige Geschichte dem Gegenüber vor die Füße zu schmeißen. 
Wie wäre es mit wahrnehmen? 
Wenn gewünscht mit einer Umarmung? 
Mit einem verstehen wollen. 
Vielleicht versuchen einen kleinen Funken Licht in das Dunkel des anderen Menschen zu bringen? 
Und nicht verletzt oder sauer zu sein, wenn der Mensch mit der Erkrankung eben nicht auf Soja steht, den W*under-Arzt in Hintertupfingen nicht aufsuchen will und sich auch nicht in den Berg zur besseren Atmung legen mag. 

Um Missverständnissen vorzubeugen extra hier erwähnt

Bisher habe ich von meinen Leserinnen in ihren Kommentaren und über Email fast nur hilfreiche, warmherzige Informationen und Hinweise bekommen. Darüber bin ich sehr erfreut und dankbar!!!

Kommentare:

  1. Hallo Oona,
    wenn Du mich von der Decke pflücken möchtest, ist das Wort"psychosomatisch" immer toll.
    Das Wort hat mir nichts getan, und ich will auch seine Bedeutung nicht anzweifeln. Was mich nur total nervt,ist der verschwenderische Missbrauch. Diffuse Symptome? Gar keine Ahnung? Mal irgendwas pseudopsychologisches gehört? Psychosomatisch.
    Im Prinzip wird mir damit gesagt, dass ich mich besser fühlen würde, wenn ich mich doch nur wirklich besser fühlen wollte. BS.
    Deshalb nervt mich auch diese ganze "Positiv Denken" Geschichte. Es ist ok, mal zu sagen, heute geht es gar nicht gut. Es ist auch ok, ohne schlechtes Gewissen, weil man das Bild des demütig Leidenden eben nicht erfüllt, die guten Momente zu genießen, nicht so gesundheitsfördernde Ernährung und Verhaltensweisen inklusive ;-)
    LG, Katja

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    1. Diesen Spruch: Denk positiv! kann ich auch nicht mehr hören.
      Ich meine zu wissen, dass es schon wichtig ist auf die eigenen Gedanken zu achten. Gerade, wenn eine mit De*pressionen zu tun hat.
      Deswegen müssen die Gedanken nicht ständig "positiv" sein. Wichtig ist zu bemerken, wenn ich mich in Gedankenfilmen verliere und die Welt - der ralitätfremd - pechschwarz wird.
      Psychosomatik finde ich schon stimmig. ABer alles und jedes SOFORT in die Psychosomatik zu stopfen finde ich unklug.
      LG Oona

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  2. Liebe Oona, Deinen Unmut kann ich sehr gut nachvollziehen. Viele Menschen sind total "verroht" und merken es nicht mal. Gerade heute Abend hörte ich folgenden Satz: "Das Gegenteil von gut gemacht ist gut gemeint". Ich finde, das sagt schon sehr viel aus.

    Sei lieb gegrüsst,
    Clara

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  3. Genau so ist es und es tut gut, deine Empörung so klar beschrieben zu lesen.
    Liebe Grüße
    ganga

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    1. Es einmal aufzuschreiben tat ganz gut.
      LIebe Grüße
      Oona

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