Sonntag, 6. Dezember 2015

Texte, die berühren

Meine T*CM-Ärztin S. sendete mir einen A*dventskalender der anderen Art zu. Er sieht aus wie ein "normaler“ Jahreskalender, trägt den Titel  „Der andere Advent“  und wird herausgegeben von „A*ndere Zeiten e.V.“  Es sind teilweise Texte, wo G*ott und der Glaube drin vorkommen. Auch diese Texte erreichen mein Herz wie die anderen bisher gelesenen Texte. Dazu hat der Kalender so berührende und schöne Fotos und Gestaltung. 
Er fand seinen Platz (bis zum 6.1.2016) in meinem Flur. Ich laufe häufig am Tag direkt darauf zu. Morgens stehe ich dann da und lese die Worte für den Tag. Heute Morgen hat es mich beim Lesen so „gerissen“, dass ich weinend in meinem Flur stand. Diese Zeilen für den 2. Advent von Kai-Uwe S*cholz schreibe ich euch hier ins Tagebuch: 

Schlüsselmoment

Zu meinem türkischen Friseur, Herrn Murat, gehe ich schon seit ewigen Zeiten. Herr Murat heißt für mich Herr Murat, weil sein Nachname so kompliziert auszusprechen ist. Daher hat er bei meinem ersten Besuch in seinem Salon vorgeschlagen, dass ich ihn einfach beim Vornamen nennen soll. 
Herr Murat und ich wissen genug voneinander, um jederzeit in einen kleinen Austausch treten zu können. Wir reden über seine Kinder und über meine Kinder, über seine Heimat an der Schwarzmeerküste und meine Heimat in der norddeutschen Moorgegend, über seinen Bruder, der in Istanbul wohnt, und über meinen Bruder, der in der Schweiz wohnt. Aber wir müssen auch nicht reden. Er bittet mich mit einer einladenden Handbewegung auf seinen Sessel, wäscht mir die Haare und legt los. Schnipp, Schnapp. Oft schließe ich derweil die Augen und lasse die Gedanken laufen. Herr Murat ist dann ganz leise. Fast habe ich das Gefühl, er schneidet extra behutsam. Ab und zu tritt er zurück und betrachtet sein Werk. Diese Pausen stören mich nicht. Ich kenne sie ja und denke einfach weiter.  
Bis mir neulich die Pause einen Tick zu lang vorkam und ich die Augen öffnete. Mir ging grad so viel durch den Kopf. Die Last des Lebens hatte sich auf meine Seele gelegt und bedrückte mich. Ich machte mir Sorgen, die man nicht einfach so erzählt. Jedenfalls nicht im Friseursessel. Sorgen, die man hinter der Stirn und den Augenlidern verborgen halten kann – wie ich glaubte. Herr Murat stand an den Spiegel gelehnt, hatte die Schere sinken lassen und schaute mich an – freundlich, fast ein wenig liebevoll. Er muss an meinem Gesicht abgelesen haben, dass ich Zuspruch brauchte. Und er gab ihn mir:
„Keine Sorge!“, sagte er. „Alles wird gut.“ Es war ein Segen. 

Kommentare:

  1. Guten morgen, habe eben mal gegoogelt, weil ich wissen wollte, ob es den Text noch anderswo im Netz gibt. So bin ich auf deine Seite gestoßen.
    Bei mir hängt der Kalender in der Küche und ich stand da heute morgen auch mit Tränen in den Augen .... wünsch dir einen schönen Adventssonntag. LG Iris

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  2. Hallo Iris,
    Danke für die Rückmeldung, dass der Text auch ein anderes Herz berührt hat!
    Viele Grüße
    Oona

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  3. Liebe Oona,
    ich habe die Kalender schon seit vielen Jahren und finde die auch schön und oft berührend.
    Ich wünsche Dir eine heilsame Weihnachtszeit
    liebe Grüße aus Berlin von Ute

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    1. Liebe Ute,
      lieben Dank für Deine Worte hier.
      Auch Dir eine gute Zeit!
      Liebe Grüße
      Oona

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  4. Der Text ist sehr berührend. Danke fürs Aufschreiben.
    Alles Gute weiterhin, ich denk an Dich, an Deine Familie
    schlaf gut
    Elisabeth

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    1. Liebe Elisabeth,
      danke für´s dran denken.
      Im Moment heißt es warten. Auf Fortschritte und auf Befunde.
      Ganz liebe Grüße an Dich ins ferne Bayern
      Oona

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