Montag, 15. Dezember 2014

Gedanken machen die Gefühle

Am Morgen war ich dabei mein Frühstück vorzubereiten. Die Bienenwachskerze (ohne Duft) brannte als helles Licht in meine Küche. Die Heizung lief auf vollen Touren und eine erstaunliche Ruhe im Haus. Von meinem Küchenfenster aus (im obersten Stockwerk) kann ich weit in den Himmel schauen. Über Dächer und Baumkronen. Ganz hinten nur noch Baumkronen, weil dort ein Park ist. Der Himmel war düstergrau und es regnete. Der Tag noch nicht ganz zu erkennen, weil die Regenwolken alles überzogen. 

Ich mag es in solche Himmel zu schauen. Mir kam der Gedanke, dass bei den vielen Kerzenhaltern, Lampen und Papiertsternen, welche frau gerade überall kaufen kann, ich wohl auch ein schönes Licht für das Grab von Ina kaufen könnte. P. hatte die Idee schon vor einiger Zeit. Mir gefiel seine Überlegung. Bisher habe ich noch nicht ernsthaft nach einem Licht gesucht, dass auch bei Regen und Schnee leuchtet. Als ich so am Fenster stand und die Heizung an meinen Beinen mich wärmte, da überfiel mich eine tiefe Traurigkeit. Im Herzen fühlte ich einen Schmerz, der in seiner Heftigkeit mich erstaunte. 

Ich wußte schnell, warum die Trauer sich gerade heute zeigte. Gestern habe ich viel an Ina gedacht und in der Bahn sah ich ein kleines Mädchen im Kinderwagen, welches schrägen Augen hatte... schwer zu erklären. Sie schaute uns die Fahrt lang in die Innenstadt an und winkte. Ich glaube, dass P. zurückgewunken hat. 

Trauer kommt und Trauer geht. Sie tauchte heftig auf. Flachte ab. Ist jetzt noch ein leises Summen im Herzen. 
Gesund ist es jetzt für mich die Trauer nicht "künstlich" zu verlängern, in dem ich mich in Gedanken verliere, die mir weh tun und die mit Ina genau gefühlt wenig zu tun haben.

Meine schmerzliche Trauer, die ich seit meiner Kindheit in mir trage, mag sich gern an andere Trauer "andocken". Wenn sie schon einmal sein darf, dann wächst sie in Minuten oder Stunden nach dem Schneeball-Prinzip. DAS ist für mich leiden. Das habe ich Jahrzehnte so praktziert und es hat mich nicht von der tiefen wahrhaftigen Trauer befreit oder mich wo hingebracht. Der Schmerz ist noch da. 
Ich dachte, ich hätte ihr genug Raum gegeben. Über die Jahre. Gerade die Tage lerne ich, dass sie wohl eine Begleiterin bleiben wird. Die Trauer. Mit den erneuten Versuch einer Annahme ist es womöglich besser zu leben. 

Ich werde schauen, ob ich ein schönes "Grablicht" finde, welches P. seiner Schwester an den Stein stellen kann. Wenn ich dann dort bin, kann ich auch ein Lichtlein anzünden. Das gegen alle grauen Himmel tapfer leuchtet. 

Kommentare:

  1. Schön beschriebene Gefühle...das mit dem "alte Trauer irgendwo andocken" kenne ich auch. Das tut aber manchmal auch gut.

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    1. Stimmt. Manchmal kann ich mich entscheiden, dass es einfach mal "laufen kann" und nach vielen Tränen fühle ich mich befreiter, klarer und heiler.
      Manchmal :O)
      Liebe Grüße
      Oona

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  2. Das stimmt auch bei mir. Manchmal ist es so, und dann kommt alles an angesammelter Trauer über die vielen Jahre zusammen. Ich lasse es zu, geh da durch. Bisher hab ich es immer geschafft wieder einen anderen Horizont zu finden .....
    herzliche Grüsse
    Elisabeth

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  3. Danke Oona für die Offenheit, mit der du hier so einfach und berührend deine Gefühle beschreibst, die mich berühren, auch wenn ich selbst bisher noch nicht viel mit Tod und Trauern zu tun hatte.

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