Sonntag, 16. November 2014

Teppich-Begleitung

Besuch bei den Eltern in Bremerhaven. Besuche laufen fast immer gleich ab. Und ich komme in die große Wohnung... die Dinge stehen da, wo sie schon immer standen. Auf dem Sofa sitzend fällt mein Blick auf die alte Stehlampe neben mir. Sie hat schon bessere Tage gesehen und doch gibt sie so ein vertrautes Licht in den Raum.  

Mir fiel ein, dass vor bestimmt 30 Jahren einmal einer unserer Kater unter dieser Lampe auf einem Sessel lag. Unbeweglich, denn meine Mutter hatte ihn in ein großes Handtuch fest eingewickelt. Es schaute nur der Kopf raus. 
Das gute Tier war grauenhaft (!) stinkend nach Hause gekommen. Wie er es aus der Güllegrube wieder rausgeschafft hat? Meine Mutter ist da praktisch veranlagt und fackelte nicht lange. Das Tier, welches ganz eindeutig zutiefst angewidert war vom eigenen Geruch und dem zugekleisterten Fall, fand sich nach dem handgreiflichen Schock unter der Brause der Badewanne wieder. Mein Vater mußte unterstützend eingreifen. Es half ja nichts. Der Kater konnte die giftige Gülle nicht vom Fell abputzen. Eine Katze mit Schaumkrone... gut abspülen. Armes Tuck das... Er kam in das riesige Handtuch und wurde festgehalten. Beruhigende Worte. Meine Mutter ist ein Tiermensch. Alles was laufen kann kommt an sie ran. Und ihr Herz ist so groß. Jedenfalls kam Oskar unter die etwas wärmende, helle Stehlampe und es schien ihm letztlich zu gefallen.
Meine Eltern haben zudem einen sehr großen, etwas orientalisch anmutenden Teppich. Ein büschen verbraucht, aber heile. Zig Male schon gereinigt. Liegt breit und brammig auf dem wunderschönen alten Holz-Parkett im Wohnzimmer. Wie mein Vater betont, war der Teppich schon beim Kauf nicht günstig. 
Dieser Teppich begleitet mich fast mein Leben lang. Ein stummer Zeuge.

Kommentare:

  1. Ich liebe deine Geschichten aus der Jugendzeit!

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  2. Solche Erinnerungen vermitteln das Gefühl von Geborgenheit,
    ich erinnere mich gerne an so alte Kamellen.

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  3. Ich finde die Kontinuität, die Eltern manchmal haben/ausstrahlen können mit ihren Dingen, der Wohnung, in der mensch aufgewachsen ist, ist viel Wert. Solche Erinnerungen sind schön und ich nag auch wie du sie beschreibst. Viele Grüße an den Norden im Süden.

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