Sonntag, 26. Oktober 2014

grüne Bohnen & Aal

Letztens las ich bei  Ilse  etwas über Bohnen. Keine grünen Bohnen, aber ich erinnerte mich daran, dass es früher bei uns das Essen „Birnen, Bohnen und Speck“ gab. Besonders oft in der Zeit als meine Großmutter bei meinen Eltern in Pflege war. Da waren meine Schwester und ich gerade ein Jahr ausgezogen. Als meine Großmutter die Krebsdiagnose bekam, war sie 87 Jahre alt. Mein Vater hatte seiner Mutter immer versprochen, dass sie niemals ins Pflegeheim muss. So kam sie für die letzten Monate ihres Lebens zu meinen Eltern. Meine Mutter übernahm die 24 Stunden Pflege für viele Monate. Sie hat das so liebevoll und gut gemacht. Bis heute ziehe ich vor ihr tief meinen Hut.

Oma hatte ihren Raum in meinem alten Zimmer. Von dort konnte sie bei offener Tür den „Knoten-Umschlagplatz“ der Wohnung bestens sehen. Genau gegenüber war die Küche und nach rechts weg die Eingangstür. Links über den Flur ins Wohnzimmer.

Meine Eltern hatten einen Schrebergarten ungefähr 10 Minuten mit dem Auto entfernt. Dort wurden auch Bohnen angepflanzt, welche meine Mutter zu Trockenbohnen und Schnibbelbohnen verarbeitete. Meine Oma mochte besonders gern das Gericht „Birnen, Bohnen und Speck“.  Nicht gerade fettarm und recht deftig. Also brachte mein Vater häufig aus dem Garten grüne Bohnen mit und Speck vom Schlachter. Irgendwann war es wohl so, dass auch meine Oma das Gericht über hatte. Sehr zur Freude meiner Mutter, die bei dem ganzen Essen tatsächlich einen schweren Gichtanfall bekam.

Eines Tages, so erzählte es uns meine Mutter, ging mein Vater morgens aus dem Haus zur Arbeit. Kaum war die Haustür hinter ihm zugeklappt, da hörte meine Mutter meine Oma ihr in die Küche zurufen. „Er wird doch wohl nicht schon wieder Bohnen mitbringen??“ Das wusste meine Mutter nicht. Der Tag ging dahin und als mein Vater irgendwann am Nachmittag zur Haustür herein kam, da rief sie ihm fragend freudestrahlend entgegen:

„Junge, hast Du auch Bohnen mitgebracht?“

Das ist heute ein „geflügeltes“ Wort in der Familie, wenn eine etwas nicht haben will. „Er wird doch wohl keine grünen Bohnen mitbringen!.“

Das Rezept für Birnen, Bohnen und Speck fand ich in dem Buch „He*imweh-Küche“ im D*K-Verlag erschienen von Birgit Ha*mm und Linn Sch*midt. Lieblingsessen aus Omas Küche. Ich habe es abfotografiert.  





Irgendwann konnte meine Großmutter kaum noch etwas essen. Ab und an brachte mein Vater frisch den geräucherten Aal mit von einem der besten Fischläden der Stadt. Wir machten den Fehler, die Oma als erstes an den Tisch zum Abendbrot ins Wohnzimmer zu setzen … und dazu den Teller mit dem Aal. Als wir mit dem gewuseltem aufdecken, Tee kochen (natürlich losen ostfriesischen Bünting-Tee für die Oma) und ähnlichem fertig waren und uns an den Tisch setzten, da war der Aal verschwunden. Sie hatte ihn einfach so inhaliert. Wech. Der ganze fette Aal
Erstaunlicherweise hat sie die Mahlzeit bei sich behalten und war sehr glücklich.

Danach kam der Aal nur noch auf den Tisch, wenn alle saßen und es wurde übersichtlich portioniert… 

*

Kommentare:

  1. Liebe Oona danke für diese zauberhafte Oma-Geschichte. Über die grünen Bohnen und vor allem den inhalierten Aal werde ich noch tagelang vor mich hin kichern. :-)

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  2. Die Oma war für Überraschungen gut. Lach.
    Liebe Grüße
    ganga

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