Samstag, 1. März 2014

H*irschli

Es war im Sommer 2011 als ich mich in eine entzückende Schreib-Stube in der Schweiz eingemietet hatte. Das große wunderschöne Haus mitten in Bad Z*urzach heißt "H*irschli" und gehört einem recht berühmtem sch*weizerischen S*chriftstellerpaar. Das Haus fand ich mit seiner Geschichte inspirierend. 






 Es begab sich zu der Zeit, als der Ort Bad Z*urzach noch kein „Bad“ im Namen hatte. Ein ganz kleiner Ort in der Schweiz, wo die Landschaft voll war mit großen Hügelketten. Um die richtigen Berge mit Schnee auf den Spitzen zu sehen, musste man sich schon ein paar Tagesmärsche weit auf den Weg machen. Zu jener Zeit also gab es ziemlich viele Wälder in dieser Gegend, und wo es Wälder gibt, da gibt es auch Tiere. Viele Tiere und andere Wesen. Wilde Wildschweine, Hasen, Spechte, Eichhörnchen, Eulen, Spitzmäuse, Wölfe und natürlich auch Rehe und Hirsche.  

An einem Tag im Juni machte sich ein Jägersmann am Nachmittag auf den Weg in den Wald, um ein Tier zu schießen. Seine Familie hatte Hunger, und da er gerade auch noch ein neues Haus mitten in Zurzach baute, und somit viele Menschen etwas zu Essen brauchten, musste er in den tiefen Wald. Dunkel war es dort, weil das Blätterwerk oben in den Baumspitzen ganz dicht war. Die Blätter konnten zu manchen Zeiten im Jahr gar nicht richtig rauschen, so voll waren die Zweige mit Blättern. 

Als der Jäger sich auf den Weg machte, ging zur gleichen Zeit ein Knacken und Rascheln durch das Gehölz. Doch das hörte er nicht.  

Die Geschichte geht weiter bei den lila Worten: Weitere Informationen. Danke. 

Ruben war aus einem Schläfchen erwacht. Er war ein Hirsch mit einem erst zarten Geweih mit sechs Enden. Das bedeutet, das der gute Ruben nicht nur zwei Namen hatte, sondern sechs. Das muss man sich vorstellen! Ruben Aronimus Maximilian Alois Karl Ferdi von und zu Hirschli. 

Ein stattlicher Hirsch wollte er werden, und sein Name passte schon einmal sehr gut. Es ist nur verwunderlich, dass sich kein italienischer Vorname in der Aufzählung befindet. Denn seine Familie hatte viele Verwandte überall in Europa. Sogar in der Nähe von Umbrien. Hin und wieder erinnerte er sich an die Zeit als ganz junger Hirsch in Italien. Das waren vielleicht Zeiten! Die Liebe hatte Ruben in die Schweiz gehen lassen. 

Der Jägersmann war tief in den Wald vorgedrungen und hatte große Mühe, nicht dauernd zu stolpern. Er war etwas verärgert, weil seine Liebste so viele Handwerker eingestellt hatte, um ihr neues Haus, einen Messehof, erbauen zu lassen. All diese Männer brauchten etwas Anständiges zu essen. Woher nehmen wenn nicht stehlen? Das interessierte die Liebste natürlich nicht. Das Ganze würde ihn ohnehin viele Franken kosten, aber was tut man nicht alles, wenn man seine Frau glücklich wissen möchte. 

Auf einer größeren Lichtung mitten im Wald fraß Ruben genüsslich Blätter und anderes schmackhaftes Grünzeug. Dabei ging ihm aus irgendeinem Grund nicht der Verwandte aus Umbrien aus dem Kopf. Er hatte gehört, dass es im Juni dort besonders schön sein soll. Er erinnerte sich an die Abende, wenn das Licht des Tages langsam schwindet und abertausende von kleinen Glühwürmchen durch die angehende Nacht tanzen. 

Manchmal setze sich ein ganzer Schwarm dieser putzigen kleinen Tierchen auf das Fell eines Hirschs. Sogar auf den stattlichen, großen Geweihen ließen sie sich nieder. Einfach so schön, dachte Ruben und wünschte sich, dass es das auch in seinem Wald gäbe. Und kaum hatte er es gedacht, da kam auf der Durchreise nach Italien, ein riesiger Schwarm von Glühwürmchen vorbei und machte geradewegs jetzt eine Pause. Auf Ruben! Denn der stand ganz ruhig da in der Lichtung. Nach kurzer Zeit strahlte er! Innerlich und äußerlich. 

Dem Jäger wäre fast das Gewehr aus der Hand gefallen. Ein Wunder. Ein leuchtender Hirsch in seinem Wald! Alles stand still. Nur die Glühwürmchen nicht. Ruben kitzelte es arg im Fell, aber er war so glücklich. Fliegen müsste man können, dachte er. 

Langsam war es so dunkel, dass der Jäger dringend nach Hause musste. Natürlich hat er dieses Wesen auf der Lichtung nicht erschossen. Dafür hatte der Anblick viel zu sehr sein Herz berührt. So leise es nur ging hat er den Wald verlassen. In sich trug er ein zartes Strahlen und er fühlte sich sehr glücklich. 

Von der Begegnung im Wald erzählte er nicht einmal seiner Frau. Das hätte sie ihm ohnehin niemals geglaubt. Aber als sie einen Namen für das fertig gewordene Haus suchten – zu der Zeit war es üblich Häusern einen Namen zu geben – da bestand er darauf, dass es „H*irschli“ heißen soll.



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Kommentare:

  1. ...gerade ganz nah am Wasser.....♥

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  2. Eine berührende Geschichte. Da hat der Hirsch noch mal Glück gehabt und der Jägersmann hatte ein göttliches Erlebnis. Das er sein Haus nach dem Hirswchli benannte bedeut ja viel.
    Schöne Geschichte.
    Die Fotos sind auch toll.

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