Dienstag, 15. Mai 2012

Harfenklänge in der Glocke & Gott und die Welt

Das Bremer-Konzerthaus heißt „Die Glocke“. Ich habe vor vielen Jahren dort mein erstes Reinhard Mey-Konzert erlebt. Manchmal ist es schade, dass ich mich nur wenig an meine Vergangenheit erinnern kann. Aber ich kann mich noch an das Gefühl erinnern. Einfach nur beglückend und wunderbar. Reinhard war so toll.
Eine große Zutat war dieses kleine, schöne Konzerthaus mit Atmosphäre.

Gestern Abend war ich mit B.K.in der Glocke. Sie hat ein Abo und für den Tag noch keine Begleitung. Es wurde klassische Musik gespielt und u.a. trat ein Schönling auf mit seiner Harfe. Die ließ er von zwei muskelbepackten Männern auf die Bühne tragen.
Am Ende des Stückes sagte meine Freundin B.K.. zu mir: „Interessant.“ Da musste ich lachen. Weil das sagt mein Vater, wenn ein neues Gericht gekocht wird, welches ihm nicht schmeckt. Wie schon sein Vater. „Interessant.“ Pause.„Brauchst Du aber nicht wieder kochen.“

Wie immer wenn ich mir B.K. seit 25 Jahren unterwegs bin: sie kennt Gott und die Welt. „Hallo“ hier und da. Schwätzchen da. „Guck mal. Das ist die Frau aus dem Chor.“ „Ach, Frau xy, die spielt bei uns im Orchester die Bratsche.“ „Oh, da vorne ist unser Cello.“ So ist das, wenn eine schon ewig in Chören aller Art singt und Geige in mehreren Orchestern spielt.
Es ist schon ein paar Donnerstage her, da bin ich mit B. in Bremerhaven an den Deich. Wir wohnten schon früher immer nur wenige Minuten voneinander entfernt. Spazieren gehen am Deich ist bei jeder Wetterlage und seelischer Stimmung heilend und erfrischend.  

Wir gingen also Richtung Wasser und Deich. Dieser war schon in Sichtweite. Blauer Himmel. Das Wasser zu riechen und die Möwen im Flug in der Ferne zu sehen.
An einem größeren, teuren Auto stand ein Mann und packte irgendwas in seinem Kofferraum um, und B. sagte: “ Schau mal! Staatsrath Lehmkuhl.“
Ich schaute sie basserstaunt an. Ehrfurchtsvoll. Sagte eben erstaunt:
„Mensch B., wen Du nicht alles so kennst!“
Sie schaute mich an. Es dauerte einen Moment, aber dann lachte sie schallend los. Brüllt halb vor Lachen. „Ich meine doch nicht den Mann!! Ich meine das Schiff da hinten!“ und zeigte auf den Deich. 

Ja, die "Statsraad Lehmkuhl" hatte sich gerade auf große Fahrt begeben und hinter dem Deich konnten wir …ich dann auch … die Masten und die vollen Segel im Wind sehen…

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